Ein Highlight im Biologieunterricht

Der Falkner zu Gast am ELSA

Getreu dem Motto „Von lebendigen Tieren lernt man mehr als von leblosen Präparaten“ besucht der Berufsfalkner Wolfgang A. Schreyer regelmäßig das Elsa-Brändström-Gymnasium. Im Rahmen des Natur-und-Technik-Unterrichts zeigte er der Klasse 6b am Sportplatz fünf beeindruckende Greifvögel: Lannerfalke, Afrikanischer Baumfalke, Mäusebussard, Steinadler und Uhu.

Schreyer erklärte anschaulich Jagd- und Flugtechniken, berichtete vom Alltag eines Falkners und stand den Schülerinnen und Schülern anschließend für ein ausführliches Interview zur Verfügung. Unterstützt wurde der Besuch vom Elsa-Förderverein, der die Veranstaltung finanziell möglich machte.


Interview mit dem Falkner Wolfgang A. Schreyer

(Durchgeführt von Adisa, Louise, Marcel, Malak)

Adisa: Welche Geschwindigkeit erreicht der schnellste Vogel der Welt?
Falkner: Wanderfalken im Sturzflug erreichen Spitzengeschwindigkeiten von 396 km/h.

Louise: Stammen alle Ihre Vögel aus der Zucht, oder besitzen Sie auch Vögel aus freier Wildbahn?
Falkner: Alle meine Vögel stammen aus der Zucht. Aus der freien Natur nehmen wir Falkner keine Vögel mehr.

Marcel: Wieviel Freiflug haben Ihre Vögel?
Falkner: Fast alle meine 13 Vögel haben täglich Freiflug. Das gehört zur artgerechten Haltung. Nur meinen Uhu kann ich nicht fliegen lassen, da dieser als Küken eine Augenentzündung hatte und nun nicht mehr erkennen kann, wo er landen muss. Er würde sich verletzen.

Malak: Sind Ihre Vögel während eines Freiflugs schon mal weit weg geflogen?
Falkner: Ja, das kommt aber selten vor. Einen Falken habe ich sogar verloren. Er wurde tot auf einem Balkon gefunden, da er gegen eine Fensterscheibe geflogen ist. Ein anderer Falke ist vormittags in Freising bei der Jagd auf Krähen entwischt und wurde abends mithilfe seines Senders in Bregenz geortet. Falken sind sehr ausdauernde Flieger.

Adisa: Wie sind Sie zur Falknerei gekommen?
Falkner: Infiziert mit der Falknerei wurde ich als Elfjähriger durch das Großziehen eines jungen Turmfalken. Dieses Erlebnis hat mich so fasziniert, dass ich nie mehr von den Greifvögeln losgekommen bin. Greifvögel sind sehr beeindruckende Vögel, die mich völlig in ihren Bann gezogen haben. Ich habe „meinen Vogel“, wie man das so sagt.

Louise: Haben Sie sich schon vor diesem einschlägigen Erlebnis für Vögel interessiert?
Falkner: Meine Familie und ich haben damals auf dem Land häufig verletzte oder schwache Tiere, z. B. Eulen, Krähen, Marder oder Eichhörnchen, gesundgepflegt und wieder in die Freiheit entlassen. Solange ich denken kann, haben wir irgendwelches Futter in Schnäbel und Münder gestopft, damit die Tiere groß werden. Diese Erfahrungen haben meine Verbundenheit zu Tieren stark geprägt.

Adisa: Besitzen Sie noch weitere Tiere außer den Vögeln?
Falkner: Ich habe noch Frettchen, die ich für die Kaninchenjagd brauche, und einen Jagdhund. Pflanzenfresser kann ich leider nicht gebrauchen! Also Häschen und so weiter wären bei mir fehl am Platz. (lacht)

Louise: Wie teuer ist die Anschaffung eines Greifvogels?
Falkner: Der Kauf z. B. eines Uhus beim Züchter kostet 400 Euro. Das ist nicht teuer, wenn man bedenkt, dass Uhus bei guter Pflege bis zu 50 Jahre alt werden können.

Marcel: Bekommen Sie vom Staat Unterstützung für die Haltung von Vögeln?
Falkner: Nein, natürlich nicht! Da musst du ja froh sein, wenn du eine Rente bekommst! (lacht)

Marcel: Verdienen Sie Ihr Geld ausschließlich mit Flugvorführungen?
Falkner: Nein, ich arbeite auch mit Firmen zusammen. Z. B. bei Problemen mit Tauben oder Kaninchen helfe ich durch die Jagd mit meinen Greifvögeln. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und kann das nur empfehlen.

Louise: Sind Vögel von Ihnen schon einmal schwer erkrankt?
Falkner: Eigentlich werden die Greifvögel nur selten krank. Aber sollten sie doch erkranken, ist der Krankheitsverlauf oft schon weit fortgeschritten, so dass es häufig zu spät für die Heilung ist.

Marcel: Inwiefern bauen die Tiere eine Verbindung zu Ihnen auf?
Falkner: Das ist unterschiedlich. Mein Steinadler, der Schorschi, sieht mich als Partner und hat eine sehr enge Verbindung zu mir aufgebaut. Er würde nie eine andere Person als mich in seine Voliere zulassen. Auch meine Tochter, mit der er bereits auf der Jagd war, würde er sofort schlagen, wenn sie in seine Voliere kommen würde. Falken bauen eine weniger persönliche Verbindung auf und können schon nach zwei Tagen von einem anderen Falkner geflogen werden. Das macht für mich auch das Faszinierende an der Falknerei aus. Das Band zwischen Falkner und Greifvogel kann sehr dünn werden. Wenn ein Vogel drei Tage verschwunden ist, kann es sein, dass er mich nicht mehr erkennt.

Marcel: Vielen Dank für das Interview!
Falkner: Gern, ich hoffe, es hat euch gefallen!